KAPITÄNINNEN in der POLITIK haben einen umfassenderen BLICKWINKEL

Filmabend in Rottenburg: Wie eine Welt aussieht, in der nur Männer regieren

Rund 100 Frauen aus Rottenburg und der Region sind der Einladung von Landtagsabgeordneter Ruth Müller zum traditionellen Frauenempfang gefolgt, der zugleich der Wahlkampfabschluss der Landkreis-SPD war.

Wie jedes Jahr stand der Abend im Vorfeld des Internationalen Frauentags ganz im Zeichen der Gleichberechtigung, des Austauschs und der gegenseitigen Stärkung. Unter den Gästen waren zahlreiche ehrenamtlich engagierte Frauen – etwa von der Tafel, den Maltesern oder dem Katholischen Deutschen Frauenbund (KDFB) – ebenso wie Kommunalpolitikerinnen, darunter die Rottenburger Stadträtin Mathilde Haindl sowie die beiden Landshuter Stadträtinnen Patricia Steinberger und Anja König und die SPD-Vorsitzende aus Rottenburg, Rosmarie Schmid.

In ihrer Rede spannte Müller einen Bogen über die Meilensteine der Gleichberechtigung in Deutschland – von der Verankerung des Satzes „Männer und Frauen sind gleichberechtigt“ im Grundgesetz 1949 über die Reformen im Ehe- und Familienrecht bis hin zur Strafbarkeit der Vergewaltigung in der Ehe 1997. Auch Entwicklungen aus jüngerer Zeit zeigten, dass Gleichstellung kein abgeschlossenes Kapitel ist, sondern stetige politische Arbeit erfordert. Visualisiert wurden diese von Patricia Steinberger und Ruth Müller vorgetragenen Meilensteine durch die hochgehaltenen Jahreszahlen.

Zugleich machte sie deutlich: Trotz aller Fortschritte liegt noch viel vor uns. Gerade der Blick auf die Kommunalparlamente zeige, dass Frauen dort weiterhin unterrepräsentiert sind. Umso wichtiger sei es, Frauen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und Politik aktiv mitzugestalten, damit verschiedene Perspektiven einfließen. Müller griff auch das Zitat aus dem Film auf, in dem 1975 gefragt wurde: „Wie hat die Welt ausgesehen, als die Männer sie regiert haben?“ 50 Jahre später stehe man erneut fassungslos vor den Testosteron-besoffenen Männern, die Politik als Spielball der Macht und Mächtigen verstehen und dabei die Interessen und Bedürfnisse der Menschen aus dem Blick verlieren.

Ein besonderer Höhepunkt des Abends war die gemeinsame Vorführung des Dokumentarfilms „Ein Tag ohne Frauen“. Der Film erzählt die Geschichte des isländischen Frauenstreiks von 1975, an dem sich nach anfänglicher Belustigung und intensiver Überzeugungsarbeit schließlich rund 90 Prozent der Frauen beteiligten. Ein Wendepunkt: Das damals in Gleichstellungsfragen rückständige Land entwickelte sich zu einem internationalen Vorreiter und weist heute einen Frauenanteil von rund 48 Prozent im Parlament auf.

Die beeindruckenden Protagonistinnen des Films berichteten voller Stolz, wie sie für eine bessere Zukunft ihrer Töchter gekämpft haben. Ihre Botschaft wirkt bis heute nach: Fortschritte entstehen, wenn Frauen solidarisch zusammenstehen, sich gegenseitig stärken und beharrlich für ihre Rechte eintreten. Nur fünf Jahre später wurde im Jahr 1980 mit Vigdís Finnbogadóttir eine der mitstreikenden Frauen zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt weltweit gewählt. Und sie selbst sagt in dem Film: „Eigentlich wollte ich Kapitänin werden“ – was sie im übertragenen Sinne ja dann auch für ihr Land wurde.

„Und über ein halbes Jahrhundert nach dem historischen Streik in Island bestehe nun in Stadt und Landkreis Landshut die historische Chance, mit Patricia Steinberger und Ruth Müller erstmals eine Oberbürgermeisterin und eine Landrätin an die Spitze zu wählen“, rief Anja König die Besucherinnen im Rottenburger Bürgersaal auf, den Weltfrauentag am 8. März zum „Wählt-Frauen-Tag“ zu machen – ganz im Sinne der von Ilse Aigner angeführten Kampagne „Bavaria ruft“.

Der Frauenempfang in Rottenburg setzte damit ein klares Signal – für Zusammenhalt über Parteigrenzen hinweg, für mehr Frauen in politischen Ämtern und für eine Gesellschaft, in der Gleichberechtigung selbstverständlich ist.

Historische Meilensteine präsentiert von starken Frauen beim Frauenempfang(v.l.n.r.): Pfarrerin Veronika Mavridis, Stadtratskandidatin Anita Gegenfurtner, Stadträtin Anja König, Stadtratskandidatin Kerstin Seinige, Oberbürgermeisterkandidatin Patricia Steinberger, Landratskandidatin Ruth Müller, MdL, Gemeinderatskandidatin Karin Hagendorn und Stadtratskandidatin Rosmarie Schmid sowie Stadträtin Mathilde Haindl

Foto: Paul Thieme

 

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